DDR 1989/90Brandenburger Tor

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Fr. 19. Januar


Die große Mehrheit des Präsidiums des Parteivorstandes der CDU spricht sich für einen Verbleib der CDU in der Koalitionsregierung Modrow aus.

Auch der LDPD-Zentralvorstand entscheidet sich für einen Verbleib in der Regierung Modrow. Parteivorsitzender Manfred Gerlach spricht sich für die Teilnahme von Vertretern der am Runden Tisch beteiligten Parteien und Gruppierungen an der Regierung im Ministerrang aus. Er schlägt vor, der Opposition Ministerposten anzubieten, und forderte von der SED-PDS, von ihr besetzte Ministersessel für diesen Zweck zu räumen.
(BZ, 20./21.1.1990)

Im Haus des Parteivorstandes der SED-PDS werden radikale Forderungen zur Erneuerung der Partei erhoben, der schleppende Fortgang des Wandels der Partei wird kritisiert. Vertreter mehrerer Plattformen in der SED-PDS hatten die Auflösung der Partei gefordert, weil es nicht gelungen sei, die Partei von Grund auf zu erneuern. Im Verlauf der Diskussion wird jedoch deutlich, dass nicht alle Plattformen die Aufforderung nach Parteiauflösung mehrheitlich tragen. Nach Auffassung des Parteivorsitzenden Gysi würden ohne die Existenz der SED-PDS Gefahren der Destabilisierung der demokratischen Bewegung in der DDR verstärkt.

Gysi teilt gegenüber DPA mit, nichts von Austrittsplänen seines Stellvertreters Berghofer zu wissen.

bis hier aus: Sabine und Zeno Zimmerling, Neue Chronik DDR, 4./5. Folge, 1. Auflage, Verlag Tribüne Berlin GmbH 1990, ISBN 3-7303-0604-9

Rund 100 Delegierte der Bürgerbewegung "Demokratie Jetzt" begannen gestern Abend in Berlin-Weißensee dreitägige Beratungen. Auf dem Landesdelegiertentreffen stehen die Entwürfe eines Programms sowie der Statuten der im September vergangenen Jahres gegründeten Organisation im Mittelpunkt. Weiterhin sollen die Sprecher neu gewählt werden.
(Berliner Zeitung, Sa. 20.01.1990)

Den Grundsätzen des Liberalkonservatismus verpflichtet fühlt sich nach eigenen Worten die "Freiheitliche Partei Deutschlands" (FPD). Das geht aus einer jetzt dem ADN übermittelten Presseerklärung hervor, in der die Partei auch ihre Gründung am 20. Dezember 1989 bekannt gibt. Bislang sei die Parteigründung nicht der Öffentlichkeit mitgeteilt worden, weil der geschäftsführende Vorstand die Meinung vertritt, dass eine gut funktionierende Partei außer einem gut klingenden Namen vor allem ein ansprechendes Programm und eine Struktur, sowie die notwendigen technischen Strukturen brauche.
(Neue Zeit, Sa. 20.01.1990)

Für den 10./11. Februar hat die Industriegewerkschaft Bau-Holz eine außerordentliche Zentraldelegiertenkonferenz nach Bernau (Gewerkschaftsschule) einberufen. In einem Flugblatt wendet sich die IG an die über 800 000 Mitglieder, solidarisch zu handeln und füreinander einzustehen. Das schließt auch den Einsatz gewerkschaftlicher Kampfmittel ein.

Die IG Bau-Holz kämpft für das Recht auf Arbeit, für gesunde Umwelt, tariflich geregelte Aus- und Weiterbildung, vor allem aber für den Schutz vor negativen Folgen aus Struktur- und Rationalisierungsmaßnahmen.
(Neues Deutschland, Fr. 19.01.1990)

Als "Ostthüringer Nachrichten" erscheint ab morgen [19.01.] die bisherige "Volkswacht" im Bezirk Gera.
(Berliner Zeitung, Do. 18.01.1990)

Die traditionsreiche Tageszeitung der Messestadt, die "Leipziger Volkszeitung" ist seit gestern unabhängig. Als Blatt der marxistischen Sozialdemokratie wurde sie vor 96 Jahren gegründet. Ebenfalls als unabhängige Zeitung präsentieren sich jetzt die Magdeburger "Volksstimme" und die "Sächsische Zeitung".
(Berliner Zeitung, Sa. 20.01.1990)

Die Zeitung der Bürgerinitiative im Kreis Auerbach, "bika", erscheint zum ersten Mal.

Ab 9 Uhr streiken die Mitarbeiter des VEB Kraftverkehr Suhl bis zum Nachmittag. Über den Streik wurde zuvor die Bevölkerung informiert. Forderungen ist die Verbesserungen der Arbeitsbedingungen und ein Betriebsrat.

Der Kreisvorstand Leipzig der SPD fordert alle SED-PDS-Mitglieder auf, die nach dem 01.01.1990 ihre Partei verlassen haben, mindestens ein Jahr keinen Antrag auf Mitgliedschaft in der SPD zu stellen.

In Dresden wird der Bezirksverband Sachsen-Ost der SPD gegründet.

Im "Haus Cottbus" wird die Deutsche Forumpartei Bezirk Cottbus gegründet.

In Schönefeld bei Berlin findet eine gemeinsame Pressekonferenz von Interflug und Lufthansa statt. Wir wollen gemeinsam den Linienluftverkehr, Passage und Fracht entwickeln, sagte der Vorstandsvorsitzende der Lufthansa, Heinz Ruhnau. Beide Seiten sprachen sich für einen neuen Flughafen aus. Der Präsident der Interflug, Klaus Henkes, meinte, die Bewältigung des Gesamtverkehrs bedarf eines dritten Flughafens für Berlin neben Schönefeld und Tegel. Er soll bis zum Jahr 2003 fertig werden. Er soll Berlin-International heißen.

Der Regierende Bürgermeister von Berlin, Walter Momper, empfängt eine Delegation des Demokratischen Aufbruchs.

"AIDS - neue Aktualität in der DDR" ist das Thema eines Kolloquium in Berlin.

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