DDR 1989/90Brandenburger Tor

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Mo. 1. Januar 1990


Mit mehreren hundert Anhängern veranstaltete die Sozialdemokratische Partei (SDP) am Abend des Neujahrstages in Karl-Marx-Stadt ihre erste diesjährige Kundgebung in Vorbereitung der für Mai geplanten Wahlen. Sprecher der Partei erklärten, die SDP werde sich im Wahlkampf auf die Traditionen der deutschen Sozialdemokratie stützen Die Partei wolle erreichen, dass Karl-Marx-Stadt 1990 wieder den Namen Chemnitz erhält. Mit schwarz-rot-goldenen Fahnen und entsprechenden Losungen sprachen sich die SDP-Anhänger für die Vereinigung beider deutscher Staaten aus. In scharfer Polemik wandten sich die Sprecher der SDP gegen Entscheidungen der Regierung der DDR. Zugleich setzten sie sich mit der Politik der SED-PDS und des FDGB auseinander.
(Berliner Zeitung, Di. )

Ein Kuratorium "Rettet Meißen - jetzt" unter Vorsitz von Prof. ein. Dr. Hermann Rühle hat sich im Rathaus der Stadt konstituiert. Dem bislang 17köpfigen Gremium gehören Wissenschaftler, Künstler und Kommunalpolitiker an, so Prof. Dr. h.c. mult. Manfred von Ardenne, der Tenor Prof. Peter Schreier, der Meißner Bürgermeister Klaus Däumer, der Generaldirektor der Staatlichen Porzellanmanufaktur Meißen, Dr. Hannes Walter, sowie der Oberbürgermeister von Meißens Partnerstadt Fellbach (BRD), Friedrich Wilhelm Kiel.

Wie Bürgermeister Klaus Däumer gegenüber ADN sagte, gehe es nicht nur darum, mit Hilfe eigens dafür eingerichteter Konten Geldspenden entgegenzunehmen, um moderne Baumaschinen, -ausrüstungen und -materialien für in Meißen arbeitende Betriebe kaufen zu können, Die Bürger der Stadt müssten sich gerade jetzt sehr schnell auch auf die eigene Kraft besinnen.
(Berliner Zeitung, Di. 02.01.1990)

Die neue Agentur für Unterhaltungskunst "ComConcert" nimmt am 1. Januar 1990 ihre Arbeit auf. Wie der Generaldirektor des kürzlich aufgelösten Komitees für Unterhaltungskunst, Reinhard Heinemann, gegenüber der Presse erklärte, wird die ehemalige Generaldirektion des Komitees in eine GmbH unter Aufsicht des Ministeriums für Kultur umgewandelt.

Das neue Unternehmen wird sich sowohl der Vermittlung von einheimischen Künstlern und Darbietungen ins Ausland, als auch dem Import widmen. In eigenen Tonstudios will die Agentur selber Tonträger produzieren und über einen Labelvertrag mit dem VEB Deutsche Schallplatten vertreiben.
(Neues Deutschland, Do. 28.12.1989)

Seit 1. Januar ist eine neue Verordnung über den ambulanten Handel in Kraft. So erhalten Kleinerzeuger, Kleintierhalter und Hobbyproduzenten auf bestätigten Standorten für den Straßenhandel die Möglichkeit, ihre Produkte selbst zu verkaufen. Man braucht dazu eine Verkaufsgenehmigung. Sie erteilt der Rat des Stadtbezirks. Staatliche Preisstützungen gibt es nicht. Maximum ist der staatlich festgelegte Verkaufspreis bzw. der Aufkaufpreis plus einem Aufschlag von bis zu zehn Prozent. Für selbstgefertigte Erzeugnisse wird dem Preis in einer Bewilligung zugestimmt. Bis 3 000 Mark Einnahmen bleiben unversteuert. Darüber hinaus sind Steuern zu zahlen. Die Verordnung enthält auch Möglichkeiten der Beschwerde und des Einspruchs gegen Entscheidungen staatlicher Organe, aber auch Ordnungsstrafbestimmungen beim Handel zum Nachteil von Käufern sowie zur Erzielung ungerechtfertigter Gewinne.
(Berliner Zeitung, Mi. 03.01.1990)

Seit Jahresbeginn gelten für alle DDR-Bürger bei ihrer Einreise in die Bundesrepublik an den Grenzübergangsstellen zur BRD neue Zollbestimmungen, wurde gestern in Bonn bekannt.

Wie aus einem an allen Grenzübergangsstellen ausliegenden "Merkblatt des Bundesministers der Finanzen über die Bestimmungen der Bundesrepublik Deutschland mit der DDR und Berlin (Ost)" hervorgeht, gelten für zahlreiche Waren bei der Einfuhr aus der DDR in die BRD Sonderregelungen.

So dürfen Einreisende aus der DDR abgabenfrei lediglich 200 Zigaretten, einen Liter Spirituosen von mehr als 22 Prozent vol oder zwei Liter Wein oder Schaumwein, 100 Gramm Tee sowie 50 Gramm Parfüm einführen. Sonstige verbrauchssteuerpflichtige Waren dürfen einen Gesamtwert von 115 DM nicht übersteigen. Bei Treibstoffen werden zusätzlich zur Füllung des serienmäßigen Tanks bis zu zehn Liter im Reservekanister anerkannt.

Auch für frisches Fleisch und bestimmte Wurstwaren gelten besondere Beschränkungen. Arzneimittel dürfen nur in der dem persönlichen Bedarf entsprechenden Menge mitgeführt werden.
(Berliner Zeitung, Sa. 06.01.1990)

Im vergangenen Jahr kamen in der DDR auf 100 000 Einwohner 33 Privatbäckereien. Nach Angaben des Statistischen Amtes sind das zehn weniger als 1980. Die Gesamtzahl der Bäckereien ging im gleichen Zeitraum von 7 119 auf 5 426 zurück. Der Anteil an der Frischbackwarenversorgung der Bevölkerung durch das Bäckerhandwerk sank damit auf 34 Prozent. Das Gros der 1989 im Wert von 3,2 Milliarden Mark produzierten Frischbackwaren lieferten die 12 Backwarenkombinate, Konsum- und andere Großbäckereien.
(Berliner Zeitung, Mi. 28.03.1990)

Der offizielle Wechselkurs Mark der DDR zur D-Mark beträgt ab heute 3:1.

In Beelitz streikt Militär für eine Militärreform. Seit 1 Uhr stehen mehrere Hundert Armeeangehörige vor dem Tor der Friedrich Wolf Kaserne. Damit soll gegen ihrer Meinung nach unflexible und schleppende Durchführung der Armeereform protestiert werden. Gefordert wird die kurzfristige Entlassung aller in der Volkswirtschaft stationierten oder dafür vorgesehenen Armeeangehörigen in ein ziviles Arbeitsrechtsverhältnis an ihrem heimatlichen Arbeitsplatz. Des weiteren wird die Verkürzung des Grundwehrdienstes auf 12 Monate gefordert mit kurzfristiger und rückwirkender Durchsetzung. Am Abend beginnen Verhandlungen über die Forderungen.

Armeeangehörige demonstrieren in Dresden und Leipzig.

Nach einem Gottesdienst wird in Annaberg demonstriert.

In Gera wird die Gedenkstätte für die sowjetischen Soldaten in der Nacht zum 01.01. geschändet.

Seit Anfang Januar hat die Stadt Bitterfeld einen Umweltbeauftragten.

Seit heute gibt es das Ministerium für Naturschutz, Umweltschutz und Wasserwirtschaft.

Die National-Demokratische Partei veröffentlicht ihr Programm zur Volkskammerwahl am 6. Mai 1990.

Reiseführer aus der DDR und der BRD über die DDR erfreuen sich einer bisher nicht gekannten Beliebtheit.

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