DDR 1989/90Brandenburger Tor

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Vergebliches Warten auf Gesprächspartner

Kollektiv "Albert Zimmermann" vom Hängerbau wartet, dass sichtbar und wirksam verändert wird

In der Ausgabe der Betriebszeitung vom 30.10.89 unter dem Motto "Breite Resonanz" - miteinander reden, streiten und arbeiten" wird behauptet, die Rede von Egon Krenz findet bei den Werktätigen unseres Kombinates breite Resonanz und Zustimmung.

Mit uns wurde weder geredet noch gestritten. Geredet und gestritten haben wir untereinander und zu arbeiten haben wir dabei auch nicht vergessen. Wir haben in den vergangenen Wochen auf Gesprächspartner von Wirtschaft und Politik vergebens gewartet.

Viel zu spät würde am 30.10.89 [im Original 88] der erste Versuch gemacht, die Meinung unseres Kollektivs zu hören. BGL-Vorsitzender und Bereichsdirektor waren offensichtlich überfordert, die GO-Leitung war nicht vertreten. Der Dialog blieb demzufolge auf betriebliche Unzulänglichkeiten der Produktion beschränkt, politische Fragen wurden nicht diskutiert.

Unsere Betriebszeitung ist ein Parteiorgan. Der Leitartikel auf Seite 1 zur Auswertung der Kreisparteiaktivtagung spricht von Erneuerung des Sozialismus, von Schritten zur Veränderung auch in der Kreisparteiorganisation Schwarze Pumpe, es gilt Schlussfolgerungen zur innerbetrieblichen Demokratie zu ziehen und wir erfahren, es wurden erste Maßnahmen und Beschlüsse gefasst. Die Aktivtagung war am 19.10.89. Was wir bis heute noch nicht erfahren haben, ist, zu welchen Maßnahmen wurden denn Beschlüsse gefasst? Gedanken und Vorschläge der Werktätigen zur Festigung des Vertrauens und zur Vorwärtsentwicklung sind doch nur leere Worte, wenn wir wie seit Jahren wieder vor vollendete Tatsachen gestellt werden.

Wir würden als Beispiel in der Betriebszeitung eine Diskussion zu Widersprüchen in der Entlohnung der Meistergehälter anregen wollen. Unser Kollektiv hat z. B. als Staatsplan für den Monat Oktober eine Auslieferung von: Plan 534 / Ist 584. Dafür erhält das Kollektiv MLP von 11,9 %. Auflaufend zum Staatsplan haben wir mit Stand 30.10.89 drei Tage Planvorsprung, ein Plus von 78 Hängern. Und nun wird es interessant: Das Kollektiv wird im Abrechnungszeitraum vom 20. bis 20. gerechnet, der Meister vom 1. bis zum letzten. Daraus ergibt sich, dass der Meister wieder bezogen auf den Monat Oktober ein Minus von 34 Stück Hängern hat und dafür mit einem Abzug von 20 Mark bestraft wird.

Da es eine Binsenweisheit ist, dass ein Kollektiv so gut wie sein Leiter ist und unser Kollektiv seit fünf Jahren seinen Staatsplan übererfüllt, erwarten wir, dass sofort entscheidende Regelungen zur Veränderung getroffen wenden.

Das wäre z. B. eine Maßnahme, die in Vorbereitung auf eine Parteiaktivtagung diskutiert. wenden könnte.

Kollektiv "A. Zimmermann",
Abt. Hängerbau, Zentrale Werkstätten

aus: Sozialistische Zukunft, Nr. 46, 13.11.1989, 34. Jahrgang, Organ der Industriekreisleitung Schwarze Pumpe der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands