DDR 1989/90Brandenburger Tor

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Meine Gedanken zum Thema Austritte aus der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands

Um es vorwegzunehmen: Ich bin und war kein Mitglied der SED. In Gesprächen zu meinem Eintritt in die Partei habe ich immer meinen Standpunkt vertreten. Und das war aus meiner Sicht schwerer, als einfach ja zu sagen und Genosse zu werden, da es nie darum ging, meinen Eintritt zu begründen (das wäre ein Leichtes gewesen), sondern dazu Stellung zu nehmen, warum ich eine Mitgliedschaft ablehne. Ein Grund war u. a., dass es die berufliche Entwicklung, um es salopp zu sagen, nicht gerade behinderte, ein Parteibuch zu besitzen. Es empört mich aber, wenn nicht allein die fachliche und moralische Qualifikation eines Menschen für die Besetzung von Leitungsfunktionen ausschlaggebend ist.

Und bei der Moral möchte ich ansetzen. Ich finde wir sollten nicht zu allererst fordern, Mitglieder der jetzigen SED-PDS aus allen Leitungsfunktionen zu entfernen. Wir sollten gerade solche Leiter überprüfen, die dann in eine Partei eintreten, wenn es ihnen nutzt, und austreten, wenn eine Mitgliedschaft nicht mehr "opportun" ist. Wenn sich diese Kollegen darauf berufen, getäuscht und enttäuscht worden zu sein, ist das unglaubwürdig. Gerade sie hatten mehr Informationen und auch die Möglichkeit der Opposition. Ich spreche zumindest einem Teil dieser Kollegen die moralische Qualifikation eines Leiters ab.

Noch ein Wort zum Neuen Forum. Ich erwarte von den Kollegen unserer Betriebsgruppe wenigstens ein klein wenig Realitätssinn und Objektivität. Die "Leistungen" der letzten Wochen gleiten in Richtung indiskutabel ab.

aus: Gaselan Echo VEB Chemie- und Tankanlagenbau Fürstenwalde "Ottomar Geschke", Nr. 23/89, 33. Jahrgang, 2. Dezemberausgabe