DDR 1989/90Brandenburger Tor

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Gönnerhaft ein Pöstchen abgeben?

Als Frau muss man sich mehr beweisen

Zu Ihrem Aufruf im "Impuls" einen Beitrag zum Thema "Frauenarbeit" zu leisten, möchte ich folgende Bemerkungen machen:

Aus der Vergangenheit ergeben sich in Verbindung mit Frauenarbeit im Betrieb als Kernpunkte:

- Kaffeekränzchen

- viel Rederei mit wenig Inhalt

- ein formaler Frauenförderungsplan im BKV.

Das heißt, es wurde zwar im Betrieb über Frauenarbeit gesprochen, aber konkrete Aussagen bzw. Maßnahmen, die über die gesetzlichen Regelungen hinausgehen, erfolgten kaum. In dieser Qualität wurde auch der jährliche Frauenförderungsplan erarbeitet und dem BKV beigefügt. Also als Pflichtprogramm abgearbeitet.

Mir ist z. B. nicht bekannt, nach welchen Kriterien überhaupt eine Auswahl von Frauen für den Kadernachwuchs erfolgte - darüber hätte sich schon mal eine Diskussion in einem entsprechenden Kreis gelohnt, damit meine ich öffentlich mit interessierten Frauen.

Grundsätzlich ist doch auch noch heute festzustellen, dass man sich als Frau weitaus mehr behaupten und beweisen muss, als ein männlicher Kollege. Dieser Fakt ist auch in unserem Hause sehr stark vertreten. Die Praxis hat doch gezeigt, dass die so genannte Frauenförderung und -forderung doch mehr Gerede war, wenn man von einigen Ausnahmen absieht. Die spezielle DDR-Frauenförderung bezog sich doch im Wesentlichen auf familienfördernde Maßnahmen und die Qualifikation.

Unter Frauenförderung und -forderung speziell im Betrieb verstehe ich auch den Einsatz von Kolleginnen bei anspruchsvollen Arbeiten und in leitenden Funktionen.

Die Personalabteilungen haben Übersichten, welche Ausbildung unsere Frauen haben, ob und inwieweit sie für leitende Funktionen geeignet sind, welche familiären Belastungen bestehen und wie die Altersstruktur aussieht. Aus dieser Analyse ergeben sich Anhaltspunkte, mit welchen Frauen Gespräche geführt werden sollten, inwieweit sie an einer höheren Funktion interessiert sind.

Eine eventuelle prozentuale Quotenregelung zur Besetzung von Funktionen mit Frauen halte ich persönlich nicht für die günstigste Variante, muss aber zu überlegen geben, dass es nicht sein kann, dass durch die "Männerwelt" mal gönnerhaft ein "Pöstchen" (vielleicht sogar, was kein Mann machen will) an eine Frau vergeben wird.

Ich meine, dass gerade auch unseren Frauen bei der Umgestaltung in unserer Gesellschaft mehr Beachtung gezeigt werden sollte - aber nicht als "Pflicht", sondern aus Überzeugung, dass Frauen gleichwertige Partner sind und auch Verantwortung mittragen wollen und müssen!

L. W(...)
ZFT-Justitiar

aus: Impuls 3/90, 1. Februar-Ausgabe, 31. Jahrgang, Betriebszeitung im VEB Elektroprojekt und Anlagenbau, Herausgeber: VEB Elektroprojekt und Anlagenbau, Stammbetrieb des Kombinates Automatisierungsanlagenbau Berlin