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Wer vertritt unsere Interessen?

Gestern (11. Januar) sollte in unserem Betrieb die Abwahl der BGL bzw. ihrer Leitung stattfinden. Laut Satzung des FDGB gibt es hierfür festgelegte Regeln, die nicht erfüllt wurden, zum Beispiel die Entscheidung der Mehrheit der Mitglieder des FDGB.

Es kann doch nicht sein, dass alle Gesetzlichkeiten und der Schutz der Interessen unserer Arbeiter von einigen wenigen aufs Spiel gesetzt werden, nur um eine Neuerung im Betrieb vorzunehmen. Wem nutzt das? Diese Frage kann leicht beantwortet werden, nicht den Arbeitern, sondern der Leitung des Betriebes!

Es ist doch Hauptanliegen aller arbeitenden Menschen, selbst in Entwicklungsländern, eine Interessenvertretung in Form von Gewerkschaften zu haben. Warum wählen wir Vertrauensleute, wenn niemand gefragt wird, wie er zur BGL steht? Wir haben, doch die BGL gewählt!!! Wir wollen uns nicht der Gnade und Ungnade, der Willkür einiger im Betrieb aussetzen. Wir fragen uns, ob, dieser Schritt, der da vollzogen werden sollte, der nicht wenige vor vollendete Tatsachen gestellt hätte, bis ins Detail durchdacht war.

Wir können es uns nicht leisten, auch zu Zeiten des Umbruchs nicht, dass wichtige und richtige Errungenschaften zunichte gemacht werden, um einigen die Macht über uns und unser Werk zu geben.

Auch stellen wir hier folgendes Fragen, vor allem an diese Personen, die sich gegen die BGL gestellt haben:

- Wer will und soll in einer neuen BGL mitarbeiten?

- Wie lange und wie wollen wir ohne gewerkschaftlichen Schutze auskommen?

- Wie sollen Ihrer Meinung nach demokratische BGL-Wahlen stattfinden?

Brigade ÖV

aus: DZ' 75, Nr. 1, 19. Januar 1990, 17. Jahrgang, Betriebszeitung Deuna-Zement, Herausgeber: VEB Eichsfelder Zementwerke Deuna


Antwort auf den Artikel

Wer vertritt unsere Interessen?

der Brigade ÖV in der DZ `75 vom 19. Januar 1990

Auf der Vertrauensleutevollversammlung am 11. Januar sollte nicht die Abwahl der BGL-Mitglieder stattfinden, sondern eine Abstimmung durch die Vertrauensleute, ob die bestehende BGL in ihrer Zusammensetzung das Vertrauen der Belegschaft des VEB EZW Deuna noch besitzt. Diese Abstimmung wurde notwendig, da die BGL nicht bereit war, von sich aus die Vertrauensfrage gegenüber der Belegschaft zu stellen.

Seit der Wende haben sich in unserem Staat und in den Betrieben so entscheidende Veränderungen vollzogen, dass nach unserer Meinung die alte BGL keinerlei Anstrengungen unternommen hat, diesem Erneuerungsprozess gerecht zu werden. So wurde durch die BGL keine Stellungnahme zu folgenden Problemen bezogen:

- Organisierung von Dialogen,

- Überbrückungsgelder für ehemalige Stasi-Angehörige

- Strukturveränderungen im Betrieb

- Einstellung ehemaliger Stasi-Mitarbeiter in leitende Funktionen

Selbst zu den von der BGL vorgeschlagenen Strukturveränderungen der Gewerkschaft sind bis heute keine Aktivitäten erkennbar. Wir können nicht mehr akzeptieren, dass die BGL auf "von oben" kommende Richtlinien wartet.

Wir haben lange genug gewartet!

Letztendlich beweisen die zahlreichen Austritte und ruhenden Mitgliedschaften, dass diese Initiative dringend notwendig war. Wir sind weder Kritiker noch Nörgler "gegen alles", sondern eine "Gruppe zur Aktivierung der Gewerkschaftsarbeit", die sich aus Kolleginnen und Kollegen der Bereiche: Tagebau, Technik, Betriebsschule, Elektroabteilung, Rechentechnik, Beschaffung und Absatz, Labor und BMSR-Abteilung zusammengefunden hat. Diese Kollegen sprechen im Namen ihrer Gewerkschaftsgruppen.

Ziele unserer Gruppe sind:

- schnellstmögliche Vorbereitung von Neuwahlen,

- Ausarbeitung von Vorschlägen zum künftigen Aufbau der betrieblichen Gewerkschaft.

- Ausarbeitung von Vorschlägen zum betrieblichen Wahlmodus,

- Mitarbeit in der bestehenden "Kommission zur Vorbereitung der Neuwahlen" der BGL,

- Mitarbeit bei der Durchführung von Neuwahlen.

Alle von uns erarbeiteten Vorschläge werden im Betrieb bekannt gegeben und zur Abstimmung in die einzelnen Gewerkschaftsgruppen übergeben. Damit wollen wir erreichen, dass die Gewerkschaft im Betrieb in Struktur, Zusammensetzung und Wahlmodus dem Willen der Basis entspricht.

Wie schon auf der Vertrauensleutevollversammlung am 11. Januar 1990 gesagt wurde, sind Vertreter aller Gewerkschaftsgruppen zur Mitarbeit aufgerufen. Als Sprecher der "Gruppe zur Aktivierung der Gewerkschaftsarbeit" wurden gewählt:

Hans F(...), BMSR-Abteilung,
Apparat 20 12

Friedheim H(...), Rationalisierungsmittelbau
Apparat 22 36

aus: DZ' 75, Nr. 2, 2. Februar 1990, 17. Jahrgang, Betriebszeitung Deuna-Zement, Herausgeber: VEB Eichsfelder Zementwerke Deuna

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