VEB Bergmann-Borsig:
Was Kesselbauer meinen

In der vergangenen Woche haben Vertrauensleute unseres Bereiches Hauptkonstruktion sich mit einem Brief an Gen. Harry Tisch gewandt. Darin brachten sie ihre ehrlichen Sorgen zur weiteren Entwicklung des Sozialismus in der DDR zum Ausdruck.

Fragen der Entwicklung in der DDR bewegen auch unsere Kollegen. Offen und kritisch wird darüber in unseren Kollektiven beraten, Fragen werden gestellt, nicht immer alle zufrieden stellend beantwortet und um Lösungen gestritten.

Aber unsere eigene Erfahrung von über 40 Jahren Kesselbau bei Bergmann-Borsig hat uns eins gezeigt - Lösungen kommen auf keinen Fall von westlichen Medien oder Politikern. Auf Ratschläge von ehemaligen DDR-Bürgern können wir pfeifen.

Wir wenden uns mit Empörung gegen Veröffentlichungen in westlichen Massenmedien, die versuchen, den guten Namen von Bergmann-Borsig in den Schmutz zu ziehen, für ihre Machenschaften auszunutzen - die Arbeiter unseres Betriebes als Plattform gegen den Sozialismus zu missbrauchen.

Wir haben Probleme, die wir täglich im Betrieb und außerhalb spüren. Unsere Erfahrung ist aber, und das wird wohl im gesamten Betrieb, in unserer Republik über all so sein, zur Lösung der Probleme gehören Meinungsstreit, Ideen und eigene klare Positionen zur Aufgabe, zur Arbeit.

Wir haben diesen Meinungsstreit, Ideen und klare Positionen, um die vor uns stehenden Aufgaben, z. B. bei der neuen Produktion von Baugruppen für Kernkraftwerke, zu meistern.

Es wird viel Arbeit, viel Schweiß kosten - aber das sind wir gewohnt.

Eines wollen wir noch einmal klar und eindeutig sagen, ein Rütteln am Sozialismus lassen wir nicht zu.

Was uns hemmt, das werden wir verändern, was sich bewährt hat, werden wir bewahren und ausbauen.

Kollegen des Bereiches Kesselbau des VEB Bergmann-Borsig Berlin.


Unterschriftenliste

aus: Berliner Zeitung, Nr. 241, 13.10.1989, 45. Jahrgang. Die Redaktion wurde mit dem Karl-Marx-Orden, dem Vaterländischen Verdienstorden in Gold und dem Orden "Banner der Arbeit" ausgezeichnet.